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Linkschleuder
52 Games: 07 Sex — Mass Effect
Eigentlich ist zum Thema “Sex in Videospielen” schon alles gesagt. Sex und Gameplay zu kombinieren, ist ein Unterfangen, das zum Scheitern verurteilt ist. Man fühlt sich wie der neurotische Woody Allen, der sich nicht dem Gefühl an sich hingeben kann, sondern das Ganze von außen betrachtet und genau weiß, wie lächerlich das Rein-Raus-Spiel ist. Abseits vom Knöpfchen-drück-Sex à la God of War oder Fahrenheit ist es beinahe nur die Mass-Effect-Reihe, die einen anderen Ansatz wählt. Hier kommt die emotionale Beziehung zuerst, über Stunden (Spielzeit) muss angebandelt werden. Sex wird hier, als Cinematic aufbereitet, zum Payoff für durchlittene Dialogzeilen. Auch wenn der Spieler hier nicht involviert ist, ist diese sehr filmische Variante der Sex-Darstellung besser als der Irrsinn von Quicktime-Events (ein Joystick-Wortspiel erspare ich mir und euch an dieser Stelle).
Achtung: Der folgende Abschnitt enthält virtuellen Herzschmerz.
Vor allen Dingen Mass Effect 2, als Space Opera mit großem Ensemble, hat es geschafft, die Partnerwahl so aufregend und bedeutungsvoll zu gestalten wie sie im wirklichen Leben auch ist. Gleich nach der Jack-Rettungsmission war mir klar, dass sie die Auserkorene sein sollte. Aus dem bunten Crew-Haufen stach hier heraus und hatte einfach mehr Ecken und Kanten als andere Charaktere. Neben Garrus ist sie für mich der bestgeschriebene Charakter der Reihe. Nach jeder Mission habe ich den weiten Weg hinunter in die Frachträume auf mich genommen, habe schrittweise ihr Vertrauen gewonnen, war geduldig und einfühlsam. Vor der Suicide Mission schlich sie sich in mein Bett. Es folgte das Video, das mich für meine Mühen entlohnen sollte.
Erst jetzt merke ich, dass ich im letzten Absatz ohne es zu wissen in die erste Person gewechselt bin. Ich war es, der zuhören musste und ihr beigestanden hat. Der Sex war nicht mehr reiner Bonus, sondern der Höhepunkt der Beziehung zwischen mir/meinem Shepard und Jack.
Achtung: Der nächste Absatz kann Spuren von Spoilern enthalten. Und Nüssen.
Als ich begann Mass Effect 3 zu spielen, habe ich einen riesengroßen Fehler gemacht: Statt mit meinem alten Spielstand auf der PS3 weiterzuspielen, habe ich ein neues Spiel auf dem PC begonnen. Ich war auf das Standard-Savegame angewiesen. Und dieser Standard umfasst auch den Tod von Jack während der Suicide Mission. Zuerst war ich sauer, dann resigniert. Ich hätte natürlich auch mit anderen Teammitgliedern anbandeln können, aber mein Shepard war doch in Jack verliebt. Ich begann Walkthroughs und Guides zu durchforsten, zunächst, wie man Jack vielleicht noch irgendwie ins Spiel bekommen könnte und als das fehlschlug, wie meine Beziehung mit ihr denn ausgesehen hätte. Nicht einmal ein Mitglied meiner Crew konnte sie werden! Zu einem Zeitpunkt, an dem die Galaxie am Rande der Zerstörung steht, entschließt sie sich, Lehrerin zu werden? Statt einer dauerhaften Beziehung mit ihr, wird mir nur ein erneuter One-Night-Stand gegönnt. Auch wenn ich zu den wenigen gehöre, die das Ende von Mass Effect 3 nicht so schlecht finden, war ich wütend, als ich von Jacks Schicksal erfuhr. Denn diese Design-Entscheidung seitens Bioware entwertet völlig die Beziehung, die mein Shepard mit Jack noch vor wenigen Jahren hatte. Nachträglich bekam ich ein schlechtes Gewissen. Statt einer dauerhaften Beziehung war mir nur eine weitere Kerbe in meinem Bettpfosten gegönnt. All die Gespräche aus dem zweiten Teil verloren ihre Bedeutung, ich fühlte mich wie ein mieser Frauenheld, der sich all das Blabla nur anhört, um endlich mit ihr in die Kiste steigen zu können. Shepard als wandelnde männliche Herrschaftsphantasie, dem es geglückt ist, sogar die widerborstige Frau um den Finger zu wickeln. Nachträglich gibt Bioware mir zu verstehen: Es war keine Liebe, es war nur Sex.
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Linkschleuder #2
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