Manchmal hätte ich gerne weniger Entscheidungsfreiheit. Jemanden, der ständig hinter mir steht und sagt: “Wirklich? Drei alte Folgen Curb Your Enthusiasm sind noch nicht genug? Schreib doch lieber was.” oder “Mach sofort Facebook aus, du fetter, fauler Sack”. Da es so jemanden aber leider nicht gibt, muss der Antrieb aus mir selbst heraus kommen – und das ist im Alltag mehr als schwer. Nachdem ich zehn Stunden aus dem Haus war, habe ich keine Lust den Twitter-Brotkrumen zu folgen, die zum Feierabend in meine Timeline gespült werden (Dieses Bild ist mehr als verkorkst, aber egal). Diskussionen, denen ich früher selbstverständlich nachgegangen wäre, interessieren mich nicht mehr – besonders im Games-Bereich. Irgendwann, wenn man genug gelesen hat, kommt man am anderen Ende des Möbiusbands des Spielejournalismus raus, hat vieles schon gehört, so viele Texte schon in anderer Form gelesen und keine Lust mehr, die x-te Apologie, warum Games jetzt Kunst oder in der Mitte der Gesellschaft sind, zu lesen. Von allem, was ich so mitbekomme, ist mir Superlevel noch immer am sympathischsten. Ich liebe vor allen Dingen Fabus Posts ohne großes Geschwafel: Hier ein Trailer, hier ein hübsches Bild mit dem Link zu dem Spiel. Mal ganz davon abgesehen, dass sich die Seite durch die personellen Erweiterungen der letzten Monate (Dennis Kogel, Sebastian Standke, Christof Zurschmitten) zum besten Anlaufpunkt für deutschen Spielejournalismus gemausert hat. Ich schweife ab.
Ich wollte dieses erste halbe Jahr eigentlich nutzen, um meine Bachelorarbeit zu schreiben und habe mich zu Jahresbeginn von einigen Ballast getrennt, nur um dieses Ziel zu erreichen. Ein halbes Jahr später habe ich immer noch kein Thema, so kann’s gehen.
Eine entscheidende Wendung hat auch NEGATIV durchgemacht . Seit einem Monat pausieren wir und restrukturieren uns. Wer bittere Wahrheiten über das Schreiben im und fürs Netz erfahren will, sollte sich unbedingt Ciprian Davids Post durchlesen. Seit dem 1. Juni arbeiten wir auch an einer neuen Seite, die von mir “programmiert” wird. Es wird sehr anders, so viel kann ich schon mal verraten.
Wenn ich nicht Twitterdiskussionen hinterherhinke und die neue Seite programmiere, lese ich momentan sehr viel. Auch dieses Thema ist eigentlich einen eigenen Post wert. Seit November benutze ich die fantastische Seite Goodreads, um mein Leseverhalten für mich persönlich festzuhalten. Besonders die Reading Challenge hat es mir angetan. Mein Ziel für dieses Jahr ist es, 70 Bücher zu lesen. 31 hab ich schon geschafft (na gut, es sind auch ein paar Comicbände dabei). Besonders toll an Goodreads ist, dass man sich in der Welt der Bücher komplett verlieren kann. Ich sehe, was meine Freunde lesen, sehe mir ihre Profile an, durchstöbere ihre Favoritenliste und habe dabei schon mehr als einen Zufallsfund gemacht.
Warum habe ich dann so lange nichts geschrieben? Ich hatte in diesem halben Jahr sehr häufig den negativsten und ungesündesten journalistischen Impuls, den man haben kann: Wen interessiert’s? Wen interessiert meine Meinung zu Diablo 3 oder den Enden von Mass Effect 3 oder meine Meinung zum furchtbaren Hitman-Trailer. Ich kann nicht sagen, ob ich selbst keine Ideen für originelle Artikel hatte oder ob, ich einfach keine Lust hatte, mich lang genug damit zu beschäftigen. Oft hatte ich gehofft, dass die Ideen nur kämen, wenn ich noch mehr lesen würde, aber das Gegenteil war der Fall: Ich empfand und empfinde mich immer mehr als Touristen von guten Ideen, jemand der sie bestaunt, mit offenem Mund vor ihnen steht, aber selbst nicht fähig ist, etwas eigenes zu schaffen. Vielleicht hat es auch mit der Bachelorblockade zu tun, dass ich so lange keine Idee für einen Text hatte.
Ein leeres Versprechen zum Schluss: Ich versuche in den nächsten Wochen einfach drauflos zu schreiben, ganz egal, ob ich eine gute Idee habe oder nicht. Oder vielleicht guck ich doch ein paar alte Folgen Breaking Bad?